|
Lebensretterin auf vier Pfoten
Diabetikerwarnhündin Lulu wacht über Arnold
(von Franziska Drewes)
"Kein Weg ist zu lang mit einem Freund an Deiner Seite.“ japanisches Sprichwort
Still ist es in einem Kinderzimmer in Schwerin. Ganz leise tickt die Uhr an der Wand. Es ist abends kurz nach 8 Uhr. Arnold zieht seinen Schlafanzug an. Eine schwarze Labradorhündin trottet zu ihm. „Lulu mach Platz“, ruft der 9- Jährige. Die Labradorhündin horcht aufs Wort und legt sich hin. Direkt daneben kuschelt sich Arnold unter seine Decke. Er wünscht Lulu eine Gute Nacht. „Lulu ist mein Seelenhund“, flüstert Arnold. „Sie beschützt mich“. Lulu schnieft zufrieden und schließt ihre dunklen Augen. Aber die Nase der Hündin bleibt in Alarmbereitschaft.
Lulu ist die erste Diabetikerwarnhündin in Mecklenburg-Vorpommern, deutschlandweit gibt es etwa 40. Seit drei Jahren wacht sie an der Seite von Arnold. Arnold ist unheilbar krank. Er hat Diabetes Typ I. Arnold merkt oft erst viel zu spät, ob er unter- oder überzuckert ist. Regelmäßig muss er sich deshalb in den Finger pieksen und seine Werte checken. „Lulu kann viel früher erschnüffeln, wenn mit meinen Zuckerwerten etwas nicht stimmt“, erzählt Arnold. „Wir beide haben das zusammen trainiert, in einer speziellen Hundeschule in Niedersachsen“.
Mittlerweile stehen die Zeiger der Kinderzimmeruhr auf kurz nach drei Uhr nachts. Lulu wird unruhig. Blitzschnell öffnet sie ihre Augen. Ein eigenartiger Geruch liegt in der Luft. Lulu wittert Gefahr. Die Hündin will Arnold anspringen. „Lulu hopp niedrig“, dieses Kommando hat Lulu einst in der Hundeschule gelernt. Es bedeutet: immer dann, wenn Arnolds Blutzucker zu niedrig ist, soll sie ihn anspringen. Doch dieses Mal bekommt Arnold nichts davon mit. Er schläft tief und fest. Die Hündin tapst in das Schlafzimmer der Eltern. Sie schiebt ihre Nase in die Hand der Mutter. Arnolds Mutter, Berit Quaß, zieht sich ihren Bademantel über. Vorsichtig piekst sie ihrem Sohn ins Ohr. Arnolds Blutzucker ist so niedrig wie lange nicht mehr. Arnold war am Nachmittag auf einem Kindergeburtstag. Er hat ausgelassen getobt. Arnolds Insulinpumpe, die er um den Bauch trägt, ist darauf nicht eingestellt. Berit Quaß legt ihrem Kind Traubenzucker auf die Zunge, programmiert die Pumpe nach. Lulu steckt sie eine Olewo- Karotte in den Mund, Hundertprozent Natur. Wieder einmal hat die Labradorhündin bewiesen, dass auf sie Verlass ist. Sie ist wie ein Schatten, der dem Jungen überallhin folgt, eben ein Seelenhund.
Lulus Abenteuer können Sie in einem Buch nachlesen. Es heißt „Lulu Hopp Niedrig – Tagebuch einer Diabetikerwarnhündin“. Aus Sicht der Hündin wird beschrieben, wie sie Arnold hilft. Es möchte betroffenen Familien Mut machen, sie über die Krankheit aufklären. (Wieden Verlag, 242 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-942946-04-9) Weitere Infos zum Buch gibt es unter www.lulu-hopp-niedrig.cabanova.com |
|
 |

|
 |